Behandlungsratgeber

Weisheitszahn ziehen: Tut das weh und wie geht es danach weiter?

Warum ist die Schwellung am dritten Tag am größten, warum sind Sesambrötchen eine Woche tabu, muss jeder Weisheitszahn raus? Ein Zahnarzt über OP und Heilung.

Panorama Mund- und Zahngesundheit 16 Min. Lesezeit
Modell eines verlagerten, quer im Kieferknochen liegenden Weisheitszahns
Ein Weisheitszahn ohne Platz kippt oft zur Seite und drückt gegen den Backenzahn davor; ob er raus muss, entscheiden Beschwerden und Röntgenbild gemeinsam · Quelle: Free Dental Photos, Wikimedia Commons (CC BY 2.0) · Symbolbild; keine Aufnahme eines echten Patienten.

Montagmorgen, mitten in der Klausurenphase. Der junge Mann, der hereinkommt, hat eine linke Wange, die deutlich dicker ist als die rechte, und er bekommt den Mund keine zwei Finger breit auf. Sein erster Satz ist ein Klassiker: „Können wir das nicht irgendwie ohne Ziehen hinkriegen? Ich hab eine Klausur.“ Wir haben uns das Röntgenbild angesehen. Der linke untere Weisheitszahn war halb durchgebrochen, und unter der Zahnfleischkappe darüber saß eine ordentliche Entzündung. Zum dritten Mal in diesem Monat geschwollen. An dem Tag haben wir die Entzündung beruhigt, nach den Klausuren kam der Zahn dann raus. Als er eine Woche später zur Kontrolle kam, sagte er als Erstes: „Das war's schon?“

Weisheitszähne ziehen lassen ist in der Praxis wohl der Eingriff, vor dem sich die meisten fürchten und den die wenigsten wirklich verstehen. Die einen schieben ihn jahrelang vor sich her, weil „mir dann das ganze Gesicht anschwillt“. Die anderen haben überhaupt keine Beschwerden und stellen sich trotzdem an, weil „das ja alle machen lassen“. Beides stimmt so nicht. Wann müssen diese Zähne raus, wann lässt man sie besser in Ruhe, wie läuft das Ganze ab und was ist danach zu tun? Hier steht der Reihe nach, was ich im Behandlungszimmer jeden Tag erzähle.

Was ist ein Weisheitszahn und warum macht er so oft Ärger?

Es sind die dritten großen Backenzähne, ganz hinten im Mund. Wir Zahnärzte sagen „dritte Molaren“, alle anderen sagen Weisheitszähne. Meist brechen sie zwischen 17 und 25 durch. Nicht jeder hat vier davon. Bei manchen werden sie gar nicht erst angelegt, andere haben nur einen oder zwei.

Das Problem: Unsere Kiefer sind kleiner als die unserer Vorfahren. Ein Kiefer, der mit weicher Kost groß wird, lässt hinten schlicht keinen Platz für ein zusätzliches Zimmer. Der Zahn kommt also, findet keinen Platz und bleibt entweder im Knochen stecken oder kippt um und lehnt sich an den Nachbarzahn. Genau das nennen wir einen verlagerten Weisheitszahn.

Panoramaröntgenbild mit verlagerten Weisheitszähnen im Ober- und Unterkiefer
Ein Panoramaröntgenbild zeigt auf einer einzigen Aufnahme, wo alle vier Weisheitszähne liegen und wie nah die Wurzeln am Nervkanal sind · Foto: Ka-ho Chu, Wikimedia Commons (Public domain)

Ganz verlagert, halb durchgebrochen, gekippt

Ein vollständig verlagerter Zahn sitzt still im Knochen; die meisten erfahren erst auf dem Röntgenbild, dass er überhaupt da ist. Der halb durchgebrochene ist der eigentliche Störenfried. Ein Stück davon schaut in den Mund, darüber bleibt eine Zahnfleischkappe, und darunter finden Essensreste ein perfektes Versteck. Ein gekippter Zahn kann nach vorn, nach hinten oder komplett waagerecht liegen. Am häufigsten sehen wir den, der nach vorn geneigt ist. Er lehnt jahrelang an der Rückseite des Backenzahns davor und lässt am Ende auch diesen Zahn kariös werden.

Röntgenbild eines verlagerten Weisheitszahns, der zum Backenzahn davor gekippt ist
Nach vorn gekippter (mesioangulärer) verlagerter Weisheitszahn; in dieser Lage sind Karies und Knochenabbau an der Rückseite des Nachbarzahns häufig · Foto: Nizil Shah, Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Müssen alle Weisheitszähne gezogen werden?

Nein. Das sage ich ganz deutlich, weil ich viele Patienten sehe, die im Internet das Gegenteil gelesen haben. Ein Weisheitszahn, der gerade durchgebrochen ist, Kontakt zu seinem Gegenzahn hat, mit der Bürste erreichbar ist und keine Karies hat, darf bleiben. Eine Kontrolle im Jahr reicht. Und ein vollständig verlagerter Zahn, der keine Beschwerden macht und im Röntgen weder eine Zyste noch sonst eine Veränderung zeigt? Den beobachten wir meistens einfach nur.

Weit verbreitet ist auch der Satz: „Der Zahn schiebt mir die Frontzähne schief.“ Dass Engstände nach einer Zahnspange allein auf die Weisheitszähne zurückgehen, dafür gibt es keine belastbaren Belege. Frontzähne wandern mit dem Alter ohnehin ein bisschen. Manchmal wünscht sich der Kieferorthopäde eine Entfernung, weil sein Behandlungsplan das so vorsieht. Das ist ein eigenes Thema; mehr dazu auf unserer Seite zur Kieferorthopädie.

Wann wir zur Entfernung raten

Unsere Liste ist kurz und konkret:

  • Wiederkehrende Zahnfleischentzündung (Perikoronitis). Ein Zahn, der einmal geschwollen war, schwillt sehr wahrscheinlich wieder an.
  • Karies am Weisheitszahn selbst oder an der Rückseite des zweiten Backenzahns davor.
  • Wurzelresorption am Nachbarzahn oder eine tiefe Tasche mit Knochenabbau zwischen den beiden Zähnen.
  • Eine Zyste oder eine tumorähnliche Veränderung rund um den Zahn.
  • Ständig eingeklemmtes Essen, Mundgeruch, eine Ecke, an die die Bürste nie hinkommt.
  • Fälle, in denen ein kieferorthopädischer, prothetischer oder kieferchirurgischer Plan es verlangt.

Schmerzen, ein Ziehen bis ins Ohr und in die Schläfe, den Mund kaum aufbekommen: Das deutet meist auf den ersten Punkt dieser Liste hin. Was Sie bei nächtlichen Schmerzen zu Hause tun können, haben wir im Beitrag über Zahnschmerzen beschrieben.

Geschwollenes, gerötetes Zahnfleisch über einem halb durchgebrochenen Weisheitszahn (Perikoronitis)
Unter die Zahnfleischkappe eines halb durchgebrochenen Zahns rutschen Essensreste; diese wiederkehrende Entzündung heißt Perikoronitis · Foto: Coronation Dental Specialty Group, Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Vor dem Eingriff: Röntgen, DVT und ein paar entscheidende Fragen

Ohne Röntgenbild ziehen wir niemandem einen Weisheitszahn. Die Panoramaaufnahme zeigt den Winkel des Zahns, die Zahl der Wurzeln und wie nah diese am Nervkanal im Unterkiefer liegen. Sieht es so aus, als würde eine Wurzel den Kanal berühren oder überlagern, lassen wir eine dreidimensionale Aufnahme machen (digitale Volumentomographie, kurz DVT). Im Oberkiefer ist der heikle Nachbar die Kieferhöhle. Wer beides vorher kennt, erlebt am Stuhl keine Überraschungen.

Dann kommen die Fragen zur Gesundheit, und bitte gehen Sie da nicht einfach drüber. Wenn Sie Blutverdünner nehmen, setzen Sie sie nicht eigenmächtig ab; das planen wir zusammen mit Ihrem Kardiologen. Medikamente gegen Knochenschwund (Bisphosphonate), schlecht eingestellter Diabetes, Schwangerschaft, eine frühere Bestrahlung im Kieferbereich... Das alles verändert den Plan. Eine Patientin sagte bei der Untersuchung „ich nehme gar nichts“, und dann kamen zwei Packungen Blutverdünner aus ihrer Handtasche. Böse waren wir nicht. Gezogen haben wir an dem Tag aber auch nicht.

Chirurg bespricht vor dem Weisheitszahn ziehen das Röntgenbild mit dem Patienten
Vor dem Eingriff werden Vorgeschichte, Medikamente und Röntgenbild gemeinsam beurteilt · Foto: Airman 1st Class Megan Friedl, Wikimedia Commons (Public domain)

Ist im Mund gerade eine akute Entzündung mit Schwellung, beruhigen wir die meist zuerst und ziehen den Zahn ein paar Tage später. In geschwollenem Gewebe wirkt die Betäubung schlechter, und der Eingriff zieht sich unnötig in die Länge.

Wie wird ein Weisheitszahn gezogen?

Ein vollständig durchgebrochener Weisheitszahn mit geraden Wurzeln wird gezogen wie jeder andere Backenzahn. Ein paar Minuten, fertig. Ein verlagerter oder gekippter Zahn ist dagegen ein kleiner chirurgischer Eingriff, und der folgt klaren Schritten.

Betäubung

Die allermeisten Entfernungen laufen unter örtlicher Betäubung. Im Unterkiefer werden dabei auch die halbe Zunge und Lippe taub, das ist normal. Der Einstich ist ein kurzes Pieksen von ein paar Sekunden, danach Ruhe. Bei sehr ängstlichen Patienten oder wenn alle vier Zähne in einer Sitzung raus sollen, sprechen wir auch über Sedierung und Vollnarkose; das entscheiden wir gemeinsam, je nach Ihrem Gesundheitszustand.

Hand im Handschuh bereitet eine Spritze für die örtliche Betäubung vor
Die meisten Weisheitszähne werden unter örtlicher Betäubung entfernt; während des Eingriffs spüren Sie Druck, aber keinen Schmerz · Foto: Jameswasswa, Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Die operative Entfernung Schritt für Schritt

Das Zahnfleisch wird mit einem kleinen Schnitt geöffnet und zur Seite geklappt. Der Knochen über dem Zahn wird nur so weit abgetragen wie nötig. Lässt sich der Zahn nicht am Stück entfernen, wird er in zwei oder drei Teile getrennt. Bei diesem Satz zucken viele zusammen, dabei ist es genau andersherum: Wer den Zahn teilt, muss weniger Knochen wegnehmen und weniger Kraft auf die Umgebung ausüben. Danach wird die Wunde gesäubert und mit ein paar Stichen vernäht. Im Schnitt dauert das 20 bis 45 Minuten. Wurzelform, Neigung des Zahns und Härte des Knochens machen es mal kürzer, mal länger.

Entfernung eines verlagerten Weisheitszahns bei einem oralchirurgischen Eingriff
Bei verlagerten Zähnen wird das Zahnfleisch geöffnet, der Zahn bei Bedarf in Teilen entfernt und die Stelle vernäht · Foto: Airman 1st Class Megan Friedl, Wikimedia Commons (Public domain)

Tut das weh? Während des Eingriffs nicht. Sie spüren Druck, ein Schieben, manchmal hören Sie ein Knacken aus dem Knochen. Tut es doch weh, heben Sie die Hand, und wir betäuben nach. So einfach ist das. Richtig unangenehm wird es erst, wenn die Betäubung nachlässt, und auch das planen wir vorher ein. Mehr zur Chirurgie verlagerter Zähne finden Sie auf unserer Seite Weisheitszähne und Kieferchirurgie.

Zwei gezogene Weisheitszähne auf einer sterilen Mullkompresse
Gezogene Weisheitszähne; Form und Zahl der Wurzeln bestimmen direkt, wie lange der Eingriff dauert · Foto: Steven Fruitsmaak, Wikimedia Commons (Public domain)

Nach dem Weisheitszahn ziehen: Die ersten 72 Stunden

Der Eingriff selbst dauert eine halbe Stunde. Wie gut es heilt, hängt aber davon ab, was Sie in den drei Tagen danach machen. Das Blutgerinnsel in der Wunde ist das körpereigene Pflaster. Alle Regeln haben im Grunde nur ein Ziel: dieses Gerinnsel genau da zu lassen, wo es ist.

Blutung und Tupfer

Beißen Sie 30 bis 45 Minuten fest auf den sterilen Tupfer, den wir Ihnen mitgeben, und reden Sie dabei nicht. Der Speichel darf etwas rosa sein, und in der ersten Nacht finden Sie vielleicht einen kleinen Fleck auf dem Kopfkissen; das zählt nicht als Blutung. Blutet es wirklich, falten Sie einen frischen Tupfer und drücken weitere 30 Minuten. Keiner zur Hand? Ein angefeuchteter, gekühlter Schwarzteebeutel tut es auch, denn die Gerbstoffe darin ziehen die kleinen Gefäße zusammen. Läuft der Mund nach zwei Versuchen immer noch voll Blut, rufen Sie uns an.

Sterile Mullkompressen in der Verpackung
Nach dem Ziehen 30 bis 45 Minuten fest auf einen sterilen Tupfer zu beißen ist der wirksamste Weg, die Blutung zu stoppen · Foto: Korrupt, Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Schwellung, Bluterguss und Kieferklemme

Die Schwellung beginnt am Tag nach dem Eingriff, erreicht am zweiten und dritten Tag ihren Höhepunkt und geht dann langsam zurück. Also keine Panik, wenn Sie am dritten Morgen in den Spiegel schauen. So ist nun mal der Fahrplan. In den ersten 24 Stunden kühlen Sie die Wange von außen: 15 Minuten drauf, 15 Minuten Pause. Kein Kühlpack im Haus? Eine Tüte Tiefkühlerbsen, in ein dünnes Geschirrtuch gewickelt, funktioniert hervorragend. Schlafen Sie mit zwei Kissen unter dem Kopf. Manche bekommen einen gelbgrünen Bluterguss, der Richtung Hals wandert, und können den Mund etwa eine Woche lang nur eingeschränkt öffnen. Sieht beängstigend aus. Ist aber harmlos und verschwindet von selbst.

Schmerzen und Medikamente

Nehmen Sie die erste Dosis des Schmerzmittels, das Ihr Zahnarzt empfiehlt, bevor die Betäubung nachlässt. Wer wartet, bis der Schmerz da ist, rennt ihm danach nur noch hinterher. Antibiotika bekommt bei uns nicht jeder routinemäßig; wir verschreiben sie, wenn vor dem Eingriff eine Entzündung bestand oder die OP länger gedauert hat. Und wenn Sie eins bekommen, nehmen Sie die Packung auch zu Ende. Ein Antibiotikum, das man nach dem Motto „mir geht's ja besser“ absetzt, macht die nächste Infektion schwerer behandelbar.

Was Sie am ersten Tag lassen sollten

In den ersten 24 Stunden gilt: nicht spülen, nicht ausspucken, nicht mit dem Strohhalm trinken. Alle drei erzeugen Sog und Druck im Mund und können das Gerinnsel lösen. Übers Rauchen verhandeln wir nicht. Mindestens 72 Stunden lang gar nicht. Rauch und Saugbewegung zusammen sind die Hauptursache der trockenen Alveole. Schweren Sport und viel Bücken verschieben Sie um zwei Tage. Alkohol und Schmerzmittel sind ebenfalls ein schlechtes Gespann. Wurde ein oberer Weisheitszahn gezogen, schnäuzen Sie sich eine Woche lang nicht kräftig; die Kieferhöhle liegt direkt nebenan.

Wann darf ich Zähne putzen, ab wann mit Salzwasser spülen?

Die übrigen Zähne putzen Sie noch am selben Abend, nur die Wunde lassen Sie aus. Ab dem zweiten Tag rühren Sie nach dem Essen einen halben Teelöffel Salz in ein Glas lauwarmes Wasser, bewegen es sanft im Mund hin und her und lassen es ins Waschbecken laufen, statt es auszuspucken. Hat Ihr Zahnarzt eine Mundspülung empfohlen, verwenden Sie sie genauso behutsam. Sauberer Mund, schnellere Heilung; das predigen wir auch auf unserer Seite zu Zahnsteinentfernung und Mundhygiene immer wieder.

Was darf man nach dem Zahnziehen essen, und was nicht?

Solange die Betäubung wirkt, essen Sie gar nichts. Man beißt sich viel zu leicht unbemerkt auf Lippe oder Wange. Ein Schüler von uns hat mal eine halbe Stunde lang auf seiner Unterlippe herumgekaut, weil er sie für Kaugummi hielt, und diese Wunde tat ihm mehr weh als das Ziehen selbst. Ist das Gefühl zurück, gibt es am ersten Tag Kaltes und Weiches: Joghurt, Buttermilch (ohne Strohhalm), Milchreis, Pudding, Eis, Kartoffelpüree. Heißer Tee und Kaffee machen einen Tag Pause.

Naturjoghurt in einer Glasschale
Kalter Naturjoghurt macht in den ersten 24 Stunden nach dem Ziehen satt und tut der Wunde gut · Foto: Susan Slater, Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Ab dem zweiten Tag geht weiche Kost: lauwarme Suppen, Eier, Nudeln, gut gegartes Gemüse, Frikadellen. Eine glatte, pürierte Linsensuppe ist in dieser Phase der heimliche Star, nur eben lauwarm statt heiß. Gekaut wird auf der Seite, auf der nicht operiert wurde.

Lauwarme Linsensuppe in einer weißen Schale
In den ersten Tagen ist pürierte Linsensuppe eine gute Wahl, aber bitte lauwarm und nicht heiß · Foto: E4024, Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Ganz oben auf der Liste für die erste Woche steht leider das Sesam- oder Mohnbrötchen. Sesam, Mohn und ähnlich kleine Körner rutschen in die Wunde und wollen da einfach nicht mehr raus. Nüsse, Sonnenblumenkerne, Chips, Cracker, scharfe und stark gewürzte Gerichte, sehr heiße Getränke und Alkohol stehen auf derselben Liste. Nach einer Woche essen die meisten wieder ganz normal.

Trockene Alveole: Vorsicht bei Schmerzen am dritten Tag

Normalerweise läuft es so: Die Schmerzen sind in den ersten zwei Tagen am stärksten und lassen dann jeden Tag etwas nach. Wird der Schmerz aber am dritten oder vierten Tag plötzlich stärker statt schwächer, strahlt bis ins Ohr und in die Schläfe aus und kommen ein übler Geschmack und Geruch dazu, denken wir an eine trockene Alveole (Alveolitis). Das Gerinnsel hat sich zu früh aufgelöst, der Knochen liegt frei. Das passiert häufiger bei Rauchern, im Unterkiefer und nach schwierigen Entfernungen.

Eine trockene Alveole sitzt man nicht zu Hause mit Schmerztabletten aus. Sie kommen in die Praxis, wir spülen die Wunde und legen eine beruhigende Einlage hinein; die meisten Patienten merken die Erleichterung schon, bevor sie vom Stuhl aufstehen. In den folgenden Tagen wird die Einlage eventuell ein- oder zweimal gewechselt.

Wann Sie sofort anrufen sollten

  • Eine Blutung, die auch nach zweimaligem Draufbeißen auf einen Tupfer nicht aufhört.
  • Fieber über 38 Grad, Schüttelfrost.
  • Eine Schwellung, die nach dem dritten Tag größer statt kleiner wird, oder Eiter aus der Wunde.
  • Probleme beim Schlucken oder Atmen. Dann bitte nicht warten, sondern direkt in die Notaufnahme.
  • Taubheit, die auch am nächsten Tag nicht weg ist; anhaltendes Kribbeln in Lippe, Kinn oder Zunge.

Zum letzten Punkt noch ein Wort. Liegt die Wurzel im Unterkiefer sehr nah am Nervkanal, kann das Gefühl in Lippe oder Zunge nach dem Eingriff vermindert sein. Das ist selten, und meistens erholt es sich innerhalb von Wochen oder Monaten von selbst. Genau dafür planen wir mit DVT: um dieses Risiko vorher zu sehen und mit Ihnen zu besprechen. In sehr riskanten Fällen gibt es auch vorsichtigere Wege, etwa nur die Zahnkrone zu entfernen und die Wurzel im Knochen zu lassen.

Wie lange dauert die Heilung, wann kann ich wieder arbeiten?

Wer am Schreibtisch arbeitet, ist meist nach zwei, drei Tagen wieder im Job. Bei körperlich schwerer Arbeit raten wir zu etwas mehr Pause. Selbstauflösende Fäden fallen von allein heraus; die anderen ziehen wir nach 7 bis 10 Tagen bei der Kontrolle. Das Zahnfleisch schließt sich in zwei bis drei Wochen, der Knochen in der Alveole füllt sich innerhalb einiger Monate auf. Bis dahin ist es normal, dort eine kleine Mulde zu spüren, in der sich Essen verfängt. Nach dem Essen mit lauwarmem Wasser spülen genügt.

Nach dem Zahnziehen verheilte, mit Zahnfleisch bedeckte Alveole
Die Alveole ist nach einigen Wochen mit Zahnfleisch bedeckt, der Knochen darunter füllt sich innerhalb einiger Monate auf · Foto: Ian Furst, Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Auch das Alter spielt mit. Zwischen 18 und 25 sind die Wurzeln noch nicht ganz ausgebildet, der Knochen ist elastischer und die Heilung geht meist schneller. Nach 35 kann derselbe Eingriff etwas mühsamer werden. Einen Zahn, der raus muss, zehn Jahre lang vor sich herzuschieben, weil er „ja nicht wehtut“, macht die Sache also nicht leichter.

Was passiert, wenn man ihn drin lässt? Den Nachbarzahn retten

Wird ein gekippter Weisheitszahn jahrelang aufgeschoben, zahlt die größte Rechnung meist nicht er selbst, sondern der zweite Backenzahn davor. Karies, die in der unerreichbaren Ecke zwischen beiden beginnt, kann schon bis zum Nerv vorgedrungen sein, wenn man sie bemerkt. Dann reden wir plötzlich über eine Wurzelbehandlung, manchmal geht auch dieser Zahn verloren und es steht ein Implantat im Raum. Die tiefe Tasche zwischen den beiden Zähnen führt außerdem zu Knochenabbau und Blutungen; darüber haben wir in den Beiträgen zu Zahnfleischbluten und Zahnfleischrückgang geschrieben.

Kurz gesagt: Es geht nicht um den Zahn allein, sondern um die Nachbarschaft im Mund. Ein gutes Röntgenbild und fünf Minuten Untersuchung zeigen, auf welcher Seite Sie stehen.

Vorbereitung auf den OP-Tag: eine kurze Checkliste

  1. Schreiben Sie alle Medikamente auf, die Sie nehmen, Nahrungsergänzungsmittel eingeschlossen, und bringen Sie die Liste mit.
  2. Frühstücken Sie leicht. Wir haben schon viele Patienten erlebt, denen mit leerem Magen auf dem Stuhl schwindelig wurde.
  3. Lassen Sie sich abholen, vor allem, wenn eine Sedierung geplant ist.
  4. Legen Sie zu Hause ein Kühlpack bereit oder eine Tüte Erbsen ins Gefrierfach.
  5. Füllen Sie den Kühlschrank mit Joghurt, Milchreis und Pudding. Am ersten Tag wollen Sie bestimmt nicht einkaufen gehen.
  6. Hören Sie, wenn möglich, schon am Vortag mit dem Rauchen auf.
  7. Steht ein wichtiges Meeting, eine Prüfung oder eine Hochzeit an? Dann legen Sie den Eingriff nicht weniger als drei Tage davor.
  8. Machen Sie den Kontrolltermin gleich beim Rausgehen aus.
Zahnarzt untersucht bei der Nachkontrolle nach dem Zahnziehen den Mund eines Patienten
Bei der Kontrolle wird die Wundheilung angeschaut und, falls nötig, werden die Fäden gezogen · Foto: Official U.S. Navy Page, Wikimedia Commons (Public domain)

Zurück zu unserem Patienten aus der Klausurenphase: Er hat seine Prüfungen geschrieben und kam eine Woche später von sich aus, um sich den Zahn auf der anderen Seite ziehen zu lassen. Diesmal mit eigenem Kühlpack in der Tasche. Wenn Ihr Weisheitszahn Ihnen Beschwerden macht oder Sie einfach wissen wollen, wie es um ihn steht, kommen Sie mit Ihrem Röntgenbild vorbei. Dann schauen wir gemeinsam, ob er raus muss oder bleiben darf.

Häufig gestellte Fragen

Tut Weisheitszahn ziehen weh?

Da der Eingriff unter örtlicher Betäubung erfolgt, spüren Sie während der Entfernung Druck, aber keinen Schmerz. Nach dem Abklingen der Betäubung kann es in den ersten zwei Tagen wehtun; wer das vom Zahnarzt empfohlene Schmerzmittel einnimmt, bevor die Betäubung nachlässt, hat die Schmerzen meist gut im Griff.

Wie lange dauert die Schwellung nach der Weisheitszahn-OP?

Die Schwellung beginnt am Tag nach dem Eingriff, ist am zweiten und dritten Tag am stärksten und geht innerhalb einer Woche größtenteils zurück. Kühlen in 15-Minuten-Intervallen während der ersten 24 Stunden und Schlafen mit erhöhtem Kopf helfen dabei.

Was darf ich nach dem Weisheitszahn ziehen essen?

Solange die Betäubung wirkt, gar nichts. Am ersten Tag eignen sich kalte, weiche Speisen wie Joghurt, Milchreis, Pudding, Eis und Kartoffelpüree. Ab dem zweiten Tag gehen weiche Gerichte wie lauwarme Suppe, Eier und Nudeln. Sesambrötchen, Kerne, Nüsse, scharfe und sehr heiße Speisen sollten Sie eine Woche lang meiden.

Wann darf ich nach dem Zahnziehen wieder rauchen?

Empfohlen werden mindestens 72 Stunden ohne Zigarette. Rauch und Saugbewegung können das Blutgerinnsel in der Wunde lösen und zu einer trockenen Alveole führen. Bei Rauchern kommen trockene Alveole und verzögerte Heilung häufiger vor.

Was ist eine trockene Alveole und woran erkenne ich sie?

Bei einer trockenen Alveole löst sich das Blutgerinnsel in der Zahnwunde zu früh auf, sodass der Knochen freiliegt. Typisch ist, dass der Schmerz am dritten oder vierten Tag zunimmt, statt nachzulassen, ins Ohr ausstrahlt und mit einem schlechten Geschmack im Mund einhergeht. Der Zahnarzt reinigt die Wunde und legt eine beruhigende Einlage ein.

Müssen alle Weisheitszähne gezogen werden?

Nein. Weisheitszähne, die gerade durchgebrochen sind, sich gut reinigen lassen, keine Karies haben und keine Beschwerden machen, dürfen bleiben und werden regelmäßig kontrolliert. Zur Entfernung wird bei wiederkehrenden Entzündungen, Karies, Schäden am Nachbarzahn, Zysten oder kieferorthopädischer Planung geraten.

Kann beim Weisheitszahn ziehen ein Nerv verletzt werden?

Liegt die Wurzel im Unterkiefer sehr nah am Nervkanal, kann das Gefühl in Lippe, Kinn oder Zunge vermindert sein. Das ist selten und bildet sich meist innerhalb von Wochen oder Monaten von selbst zurück. Vor dem Eingriff wird das Risiko mit einem Panoramaröntgen und bei Bedarf mit einer dreidimensionalen DVT-Aufnahme eingeschätzt.

Kann man alle vier Weisheitszähne auf einmal ziehen?

Wenn die Lage der Zähne, der Gesundheitszustand und der Wunsch des Patienten es zulassen, ist das in einer Sitzung möglich; dann wird auch über Sedierung oder Vollnarkose gesprochen. Bei den meisten Patienten werden rechte und linke Seite jedoch in getrennten Sitzungen behandelt, damit beim Essen immer eine Seite beschwerdefrei bleibt.

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Dieser Beitrag dient nur der allgemeinen Information und ersetzt weder Diagnose noch Behandlung. Wenden Sie sich bei Beschwerden an Ihre Zahnärztin oder Ihren Zahnarzt.

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Panorama Mund- und Zahngesundheit

Informationsbeiträge, erstellt von den Zahnärzten unserer Kliniken in Haliç und Pendik.

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