Mund- und Zahngesundheit

Zahnschmerzen: Woher sie kommen, was hilft und wann es eilt

Warum ein Zahn weh tut, wie Sie die Nacht überstehen und bei welchen Anzeichen Sie nicht bis morgen warten sollten. Erklärt wie im Behandlungszimmer.

Panorama Mund- und Zahngesundheit 14 Min. Lesezeit Aktualisiert: 31. Oktober 2026
Zahnarzt mit Lupenbrille untersucht den Zahn seines Patienten
Die Quelle der Zahnschmerzen lässt sich mit Untersuchung, Kältetest und Bisstest in wenigen Minuten finden · Quelle: U.S. Air Force photo by Staff Sgt. Madeline Herzog, Wikimedia Commons (Public domain) · Symbolbild; keine Aufnahme eines echten Patienten.

Halb drei Uhr nachts. Sie legen den Kopf aufs Kissen, und der Zahn, den Sie den ganzen Abend mit „zieht nur ein bisschen“ abgetan haben, fängt plötzlich an zu pochen. Sie setzen sich auf, es wird etwas besser. Sie legen sich hin, es geht wieder los. Morgens ist der erste Griff der zum Telefon. Diese Geschichte haben wir in der Praxis so oft gehört, dass wir meist schon wissen, welchen Zahn wir uns anschauen werden, bevor der Patient seinen ersten Satz zu Ende gesprochen hat. Zahnschmerzen sind eigentlich kein schlechter Bote. Der Zahn sagt nur: „Schau her, hier passiert etwas.“ Die Kunst ist, dieses Signal richtig zu lesen. Welcher Schmerz wohin zeigt, wie Sie die Nacht überstehen und wann Sie nicht bis zum Morgen warten dürfen, das erkläre ich Ihnen hier so, wie ich es auch im Behandlungszimmer tue.

Woher kommen Zahnschmerzen? Die 8 häufigsten Ursachen

Zuerst eine kleine Anatomiestunde. Versprochen, sie wird kurz. Außen am Zahn sitzt der Schmelz, steinhart und völlig gefühllos. Darunter das Dentin, eine Schicht mit winzigen Kanälchen, die Reize nach innen weiterleiten. Ganz innen die Pulpa, ein Bündel aus Gefäßen und Nerven. Schmerz entsteht, sobald irgendetwas bis zu diesem Nerv vordringt. Dieses „irgendetwas“ ist mal Karies, mal eine Entzündung, mal ein Nachbarproblem, das mit dem Zahn gar nichts zu tun hat. Was wir in der Praxis am häufigsten sehen, kommt jetzt.

1. Karies

Mit großem Abstand die Nummer eins. Das Ärgerliche daran: Solange die Karies im Schmelz sitzt, spüren Sie rein gar nichts. Deshalb macht uns der Satz „tut nicht weh, also ist nichts“ jedes Mal ein bisschen traurig. Erreicht die Karies das Dentin, zieht es kurz bei Kaltem oder Süßem, dann ist es wieder vorbei. Kommt sie der Pulpa nahe, wartet der Schmerz nicht mehr auf eine Einladung. Er kommt von selbst, hält länger an und dreht nachts richtig auf. Sagt ein Patient „bei Süßem zieht mein Zahn“, finden wir fast jedes Mal ein Loch.

Tiefe Karies an einem Backenzahn: die häufigste Ursache für Zahnschmerzen
Karies im Dentin zieht, Karies nahe der Pulpa pocht · Foto: Suyash.dwivedi, Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

2. Entzündung des Zahnnervs (Pulpitis)

Stößt Karies oder eine sehr tiefe alte Füllung bis an den Nerv, entzündet sich die Pulpa. Anfangs ist das noch umkehrbar: Sie trinken etwas Kaltes, sagen „au“ und haben es nach drei, fünf Sekunden vergessen. Geht es weiter, ändert sich das Bild. Heißer Tee verstärkt den Schmerz, das Pochen hält minutenlang an, im Liegen wird es schlimmer. Ein Zahn in diesem Stadium ist mit einer Füllung kaum noch zu retten. Dann reden wir meistens über eine Wurzelbehandlung.

3. Zahnabszess

Ist der Nerv komplett abgestorben, wandert die Entzündung über die Wurzelspitze in den Knochen, und es bildet sich ein Abszess. Der Zahn schmerzt beim Zubeißen und fühlt sich an, „als wäre er länger geworden und käme vor allen anderen auf“. Am Zahnfleisch kann ein kleines, pickelartiges Bläschen entstehen, die Wange kann anschwellen. Und hier lauert eine Falle, die ich unbedingt erwähnen muss: Der Schmerz kann eines Tages schlagartig aufhören. Der Patient freut sich, „ist vorbei“, und sagt den Termin ab. Vorbei ist aber nur der Nerv. Die Entzündung wächst darunter still und leise weiter.

4. Zahnfleischerkrankung

Dieser Schmerz ist anders. Nicht scharf, sondern dumpf. Nicht an einem Zahn, sondern in einer ganzen Region. Dazu Blut beim Zähneputzen, manchmal auch Mundgeruch. Zahnstein hat sich angesammelt, das Zahnfleisch ist entzündet. Im fortgeschrittenen Stadium zieht sich das Zahnfleisch zurück, die Wurzeloberfläche liegt frei, und Kälteempfindlichkeit kommt obendrauf. Dazu haben wir in den Beiträgen über Zahnfleischbluten und Zahnfleischrückgang ausführlich geschrieben. Wer es genau wissen will, schaut dort nach.

5. Gerissener oder gebrochener Zahn

Der Klassiker bei allen, die gern Eiswürfel zerbeißen, auf einen Kirschkern beißen oder nachts die Zähne zusammenpressen. Im Zahn entsteht ein Riss, den man mit bloßem Auge nicht sieht. Das Symptom ist sehr typisch: ein kurzer, messerscharfer Schmerz, und zwar nicht beim Kauen, sondern genau in dem Moment, in dem Sie den Biss wieder lösen. Auf dem Röntgenbild ist meist nichts zu sehen. Deshalb lassen wir in der Untersuchung Zahn für Zahn zubeißen. Sagt der Patient „das ist er!“, haben wir den Riss gefunden.

6. Weisheitszähne

Zähne, die ganz hinten im Kiefer keinen Platz finden und deshalb schief liegen oder nur halb durchbrechen. Das Zahnfleisch darüber entzündet sich immer mal wieder, der Mund geht schwer auf, selbst Schlucken wird unangenehm. Wir nennen das Perikoronitis. Meist trifft es Menschen zwischen 18 und 25, in der Prüfungswoche, zwei Tage vor der Hochzeit, also immer dann, wenn es überhaupt nicht passt. Ob der Zahn raus muss oder nicht, erklären wir auf der Seite Weisheitszähne und Kieferchirurgie.

Röntgenbild eines verlagerten Weisheitszahns
Ein Weisheitszahn ohne Platz führt hinten im Kiefer zu Schmerzen und Zahnfleischentzündung · Foto: Nizil Shah, Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

7. Zähnepressen und Zähneknirschen

Der Patient, der morgens mit müdem Kiefer aufwacht, dem die Schläfen weh tun und der sagt: „Mir tun alle Zähne weh, aber ich weiß nicht, welcher.“ Dieser Satz ist für uns ein Hinweis. Karies tut an einem Zahn weh, Pressen an allen. Wenn Ihre Partnerin oder Ihr Partner sagt „du knirschst nachts“, zählt das für uns schon fast als Diagnose.

8. Ursachen, die gar nicht vom Zahn kommen

Die Wurzeln der oberen Backenzähne liegen direkt unter der Kieferhöhle. Bei einer Nebenhöhlenentzündung schmerzen all diese Zähne auf einmal, beim Vorbeugen wird es stärker, und auf dem Röntgenbild ist am Zahn nichts zu finden. Auch eine Mittelohrentzündung, Probleme mit dem Kiefergelenk und in seltenen Fällen sogar Schmerzen vom Herzen können in den Unterkiefer ausstrahlen. Finden wir an den Zähnen nichts, halten wir Sie nicht unnötig hin, sondern schicken Sie zum passenden Facharzt.

Was verrät die Art des Schmerzes?

Lernen Sie Ihren Schmerz vor dem Termin ein bisschen kennen. Wodurch wird er ausgelöst, wie lange hält er an, wo genau sitzt er? Ihre Antworten auf diese drei Fragen sparen uns in der Untersuchung wertvolle Minuten. Grob lesen wir das so:

  • Kurzes Ziehen bei Kälte, nach wenigen Sekunden vorbei: Beginnende Karies, freiliegende Wurzeloberfläche oder abgenutzter Schmelz. Die gute Nachricht: frühes Stadium. Meist reicht eine kleine Füllung oder eine Behandlung gegen die Empfindlichkeit.
  • Pochen, das bei Wärme stärker wird und Minuten anhält: Die Pulpitis ist vorangeschritten. Abwarten bringt Ihnen nur eines: Die Chance, den Zahn zu retten, wird kleiner.
  • Schmerz, der im Liegen schlimmer wird: In waagerechter Lage fließt mehr Blut zum Kopf, der Druck im entzündeten Zahn steigt. Der klassische Grund für nächtliche Zahnschmerzen.
  • Scharfer Schmerz beim Zubeißen: Gerissener Zahn, eine zu hohe Füllung oder eine Entzündung an der Wurzelspitze.
  • Dumpfer, flächiger Schmerz im Zahnfleisch: Zahnfleischentzündung oder Zähnepressen.
  • Schmerz mit Schwellung, Fieber und schlechtem Geschmack im Mund: Abszess. Das ist kein Fall für „schauen wir morgen mal“.
Panorama-Röntgenaufnahme der Zähne: Karies und Wurzelspitzen als Quelle der Schmerzen
Das Röntgenbild zeigt den schmerzenden Zahn und versteckte Karies an den Nachbarzähnen · Foto: Coronation Dental Specialty Group, Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Was hilft gegen Zahnschmerzen? Erste Hilfe für zu Hause

Ich bin ehrlich: Nichts, was Sie zu Hause tun, schließt ein Loch oder trocknet einen Abszess aus. Aber es kann Ihnen eine ruhige Nacht verschaffen, und das ist nicht wenig. Hier ist, was ich meinen Patienten rate. Denken Sie sich vor jeden Punkt den Zusatz „bis Sie beim Zahnarzt sind“.

Lauwarmes Salzwasser. Ein Teelöffel Salz auf ein Glas lauwarmes Wasser, dreißig Sekunden spülen, ausspucken, mehrmals am Tag. Bei Zahnfleischentzündung und Weisheitszahnschmerzen hilft das erstaunlich gut, und Essensreste werden gleich mit weggespült.

Zahnseide. Unterschätzen Sie das nicht. Eine Fleischfaser oder ein Stück Apfelschale zwischen zwei Zähnen kann ganz allein Schmerzen machen, die einen die Wände hochgehen lassen. Vorsichtig entfernen. Manchmal ist der Schmerz nach fünf Minuten weg, und ein Zahnarzt wird gar nicht mehr gebraucht. So einfach kann es sein.

Kalt, nicht warm. Bei einer Schwellung ein in ein Handtuch gewickelter Eisbeutel von außen auf die Wange: fünfzehn Minuten drauf, fünfzehn Minuten Pause. Eine warme Kompresse fühlt sich angenehm an, kann die Entzündung aber ausbreiten. Bei Verdacht auf einen Abszess: Finger weg von Wärme.

In ein Handtuch gewickelte Kühlpacks als kalte Kompresse bei Zahnschmerzen und Schwellung
Bei Schwellung 15 Minuten von außen kühlen, 15 Minuten Pause, Wärme vermeiden · Foto: Santeri Viinamäki, Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Schmerzmittel, aber das richtige. Ein Schmerzmittel, das Ihr Arzt oder Apotheker für Sie passend findet, lässt Sie nachts schlafen. Bei empfindlichem Magen, Nierenproblemen, in der Schwangerschaft oder wenn Sie Blutverdünner nehmen: unbedingt vorher fragen. Und eine Bitte: Legen Sie die Tablette nicht auf den Zahn. Wir sehen jede Woche mindestens einen Patienten mit der weißen Verätzung, die Aspirin am Zahnfleisch hinterlässt.

Kopf hoch lagern. Ein zusätzliches Kissen senkt im Liegen den Blutdruck im Zahn. Kleine Sache, um Mitternacht ein großer Unterschied.

Auslöser meiden. Sehr heiß, sehr kalt, süß, hart... Rauchen und Alkohol feuern den Schmerz ebenfalls an. Nelkenöl ist ein Mittel aus Großvaters Zeiten und gar nicht schlecht: ein Tropfen auf ein Wattestück, kurz auf den Zahn. Nicht ans Zahnfleisch kommen lassen, das reizt.

Was Sie lieber nicht tun sollten

  • Aspirin oder eine andere Tablette auf den Zahn legen. Das gibt eine chemische Verätzung, und zum Schmerz kommt noch eine Wunde dazu.
  • Die schmerzende Seite wärmen oder mit Alkohol oder Parfüm einreiben.
  • Die Dosis überschreiten nach dem Motto „mehr hilft schneller“. Ein Schmerzmittel heilt nichts, es dreht nur den Ton leiser.
  • Antibiotika-Reste aus der Hausapotheke oder vom Nachbarn nehmen. Ein Antibiotikum ist nur bei ausgebreiteter Entzündung nötig und nur, wenn der Zahnarzt es so entscheidet. Ins Innere des Zahns kommt es ohnehin nicht.
  • Den Termin absagen, weil der Schmerz weg ist. Ein Zahn, der plötzlich schweigt, ist meist ein abgestorbener Zahn, kein geheilter.

Wann sind Zahnschmerzen ein Notfall?

Die meisten Zahnschmerzen lassen sich innerhalb von ein, zwei Tagen mit einem geplanten Termin lösen. Manche Situationen vertragen aber kein Warten. Trifft einer dieser Punkte zu, suchen Sie noch am selben Tag einen Zahnarzt auf:

  • Schwellung im Gesicht, am Kiefer oder am Hals, vor allem, wenn sie Richtung Auge oder Hals wandert.
  • Fieber, Abgeschlagenheit, schlechter Geschmack im Mund.
  • Der Mund geht nicht mehr richtig auf, Schlucken oder Atmen fällt schwer. In diesem Fall rufen Sie nicht uns, sondern die 112, oder Sie fahren in die nächste Notaufnahme. Der Zahnarzt kommt danach.
  • Pochen, das trotz Schmerzmittel stundenlang anhält.
  • Ein Zahn, der durch einen Schlag abgebrochen ist, wackelt oder komplett herausgefallen ist. Den ausgeschlagenen Zahn nicht unter dem Wasserhahn abreiben, sondern in einem Glas Milch mitbringen. Sind Sie innerhalb von dreißig Minuten bei uns, haben wir eine Chance, ihn wieder einzusetzen.
  • Blutung nach einer Zahnentfernung oder Verletzung, die nicht aufhört.

Für Patienten, die in Haliç oder Pendik mit Schmerzen anrufen, versuchen wir noch am selben Tag einen Platz freizumachen. Wenn Sie uns am Telefon kurz die Situation schildern, können wir auch gleich besprechen, was Sie vor dem Losfahren tun sollten und was besser nicht.

Geschwollene Wange durch einen Zahnabszess: ein Zeichen, das eine sofortige zahnärztliche Untersuchung erfordert
Schwellung im Gesicht oder am Hals, Fieber und Schluckbeschwerden erfordern eine Untersuchung am selben Tag · Foto: Propdental, Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Was passiert beim Zahnarzt, und wie wird je nach Ursache behandelt?

Die Untersuchung beginnt mit einem Gespräch. Wir hören uns an, wann und wie der Schmerz gekommen ist. Dann halten wir Kälte an die Zähne, lassen Sie Zahn für Zahn zubeißen und machen bei Bedarf ein kleines Röntgenbild oder eine Panoramaaufnahme. Nach zehn, fünfzehn Minuten steht bei den meisten Patienten die Diagnose. Was dann kommt, hängt von der Ursache ab.

Karies? Wir räumen das kranke Gewebe aus und füllen den Zahn. Liegt sie sehr nah am Nerv, kommt erst eine schützende Unterfüllung drauf, und wir beobachten den Zahn ein paar Wochen. Pulpitis oder Abszess bedeuten Wurzelbehandlung: Das entzündete Gewebe wird entfernt, die Kanäle werden aufbereitet und gefüllt. Beim Abszess sorgen wir zuerst dafür, dass der Eiter abfließen kann, und schließen die Behandlung erst ab, wenn die Schwellung weg ist. Ist die Wurzel nicht mehr zu retten, wird der Zahn gezogen, und wir sprechen anschließend über ein Implantat für die Lücke. Steckt das Problem im Zahnfleisch, helfen Zahnsteinentfernung und das Glätten der Wurzeloberflächen, in fortgeschrittenen Fällen eine Parodontitisbehandlung. Ein gerissener Zahn bekommt je nach Tiefe eine Füllung, eine Krone oder eine Wurzelbehandlung. Reicht der Riss bis in die Wurzel, bleibt leider nur die Entfernung. Der Weisheitszahn: erst die Entzündung behandeln, dann kommt der Zahn ohne Platz raus. Wer nachts presst, bekommt eine Aufbissschiene, und wir reparieren die abgenutzten Zähne. Empfindliche Zähne behandeln wir mit Fluorid, spezieller Zahnpasta und dem Abdecken freiliegender Wurzeloberflächen.

Sind Schmerzen nach einer Füllung oder Wurzelbehandlung normal?

Eine Zeit lang, ja. Nach einer tiefen Füllung ein paar Tage Kälteempfindlichkeit, nach einer Wurzelbehandlung ein paar Tage ein leichtes Ziehen beim Zubeißen, das ist zu erwarten. Das Gewebe erholt sich, die Nervenenden beruhigen sich. Unsere Regel ist einfach: Der Schmerz muss jeden Tag ein bisschen weniger werden. Schmerz, der länger als eine Woche dauert, stärker wird, zu pochen anfängt oder mit einer Schwellung kommt, gehört kontrolliert. Vielleicht ist die Füllung zu hoch, vielleicht wurde ein Kanalabschnitt übersehen, vielleicht hat der Zahn einen Riss. Rufen Sie an. Meist ist es mit einer kleinen Korrektur erledigt.

Zahnröntgenbild vor und nach einer Wurzelbehandlung
Bei der Wurzelbehandlung wird das entzündete Gewebe entfernt und die Kanäle gefüllt, der Zahn bleibt erhalten · Foto: Drs. Ken Hargreaves and Obadah Austah, Dept of Endodontics, University of Texas Health Science Center at San Antonio, Wikimedia Commons (CC BY 3.0 us)

Zahnschmerzen bei Kindern und in der Schwangerschaft

Bei Kindern gibt es zwei große Ursachen: Karies an den Milchzähnen und das Zahnen. „Der fällt doch sowieso aus“ hören wir oft. Schön wär's. Ein kariöser Milchzahn tut nicht nur weh, er kann auch die Entwicklung des bleibenden Zahns darunter stören. Beim Zahnen wird das Zahnfleisch rot, das Kind ist quengelig und steckt alles in den Mund. Ein gekühlter Beißring und sanftes Reiben des Zahnfleischs mit einem sauberen Mulltuch bringen Erleichterung. Wie wir mit Kindern arbeiten, steht auf der Seite Kinderzahnheilkunde.

In der Schwangerschaft machen die Hormone das Zahnfleisch empfindlich, vor allem im zweiten Drittel sind Zahnfleischbluten und Zahnfleischschmerzen häufig. Eines möchte ich ganz klar sagen: Eine Schwangerschaft ist kein Hindernis für eine Zahnbehandlung. Füllungen, Zahnsteinentfernung, sogar eine Wurzelbehandlung lassen sich im zweiten Trimester sicher durchführen. Die Wahl der Medikamente treffen wir immer gemeinsam. Mit einem entzündeten Zahn durch die Schwangerschaft zu gehen ist deutlich riskanter als die Behandlung selbst.

Kinderzahnarzt mit einem kleinen Patienten bei der Untersuchung
Auch Milchzahnkaries tut weh, eine frühe Untersuchung schützt die bleibenden Zähne · Foto: Shixart1985, Wikimedia Commons (CC BY 2.0)

6 Gewohnheiten, die Zahnschmerzen vorbeugen

Das sagen wir jedem Patienten. Die meisten sagen „weiß ich“, die wenigsten machen es. Wer es macht, sieht uns seltener. Und das ist auch aus unserer Sicht eine gute Sache.

  1. Zweimal täglich zwei Minuten mit fluoridhaltiger Zahnpasta putzen. Wenn Sie eines auslassen müssen, dann morgens, nie abends.
  2. Zahnseide oder Interdentalbürste, jeden Tag. Die meisten Löcher beginnen zwischen den Zähnen, da, wo die Bürste nicht hinkommt.
  3. Zuckerhaltige und saure Getränke nicht schluckweise über den Tag verteilt trinken. Sonst baden Sie Ihren Schmelz stundenlang in Säure. Wenn schon, dann zur Mahlzeit und in einem Zug.
  4. Alle sechs Monate Kontrolle und Zahnsteinentfernung. Ein kleines Loch endet mit einer Füllung, ein großes mit einer Wurzelbehandlung. Dazwischen liegt ein Röntgenbild, mehr nicht.
  5. Wenn Sie nachts knirschen: Schiene. Und knacken Sie keine Eiswürfel, Kugelschreiber oder Nussschalen mit den Zähnen.
  6. Wenn Sie Sport machen: Mundschutz. Die meisten abgebrochenen Frontzähne kommen vom Hobbyfußball auf dem Kleinfeld.

Fassen wir zusammen. Zahnschmerzen sind eine Warnung. Früh gehört, ist sie eine Kleinigkeit. Spät gehört, wird sie eine große Sache. Wer ein paar Sekunden Ziehen ernst nimmt, spart sich Monate später tatsächlich schlaflose Nächte und lange Behandlungen. Wenn Sie Schmerzen haben, rufen Sie heute an. Die Untersuchung dauert nicht lange, und die Erleichterung beginnt meist noch am selben Tag.

Ein pochender Schmerz, der nachts weckt und bei kaltem Wasser nachlässt, deutet meist auf einen entzündeten Nerv hin, wie eine Wurzelbehandlung abläuft und ob sie wehtut, erklären wir gesondert.

Häufige Fragen

Was hilft schnell gegen Zahnschmerzen?

Bis Sie beim Zahnarzt sind, bringen lauwarmes Salzwasser zum Spülen, Zahnseide für die Zahnzwischenräume, bei Schwellung Kälte von außen auf die Wange, ein hoch gelagerter Kopf und ein für Sie geeignetes Schmerzmittel Erleichterung. Die Ursache beseitigt das alles nicht. Die muss in der Untersuchung gefunden und behandelt werden.

Warum sind Zahnschmerzen nachts schlimmer?

Im Liegen fließt mehr Blut zum Kopf, der Druck im entzündeten Zahn steigt. Dazu kommt: Nachts fehlt die Ablenkung des Tages, und der Schmerz rückt in den Vordergrund. Nächtlich zunehmende Zahnschmerzen deuten meist auf eine Pulpitis oder einen Abszess hin.

Was bedeuten pochende Zahnschmerzen?

Ein Schmerz, der von selbst kommt, bei Wärme stärker wird und pocht, zeigt in der Regel eine fortgeschrittene Entzündung des Zahnnervs. In diesem Stadium lässt sich der Zahn meist noch mit einer Wurzelbehandlung erhalten. Je länger Sie warten, desto höher das Risiko, dass sich ein Abszess bildet.

Gehen Zahnschmerzen von selbst wieder weg?

Schmerzen durch einen eingeklemmten Essensrest können verschwinden, sobald der Rest entfernt ist. Schmerzen durch Karies, Pulpitis oder Abszess verschwinden nicht von selbst. Hört der Schmerz plötzlich auf, ist meist der Nerv abgestorben. Die Entzündung geht weiter.

Brauche ich bei Zahnschmerzen ein Antibiotikum?

Ein Antibiotikum wird nur auf Entscheidung des Zahnarztes eingesetzt, und zwar bei Zeichen einer ausgebreiteten Entzündung wie Schwellung oder Fieber. Die Entzündung im Inneren des Zahns erreicht es nicht. Die Lösung ist eine Wurzelbehandlung, eine Drainage oder die Entfernung des Zahns.

Mein Zahn zieht bei Kaltem, ist das Karies?

Kurze Kälteempfindlichkeit kann eine beginnende Karies, eine freiliegende Wurzeloberfläche oder abgenutzter Schmelz sein. Vergeht sie nach wenigen Sekunden, ist es ein frühes Stadium. In der Untersuchung wird die Ursache geklärt, meist reicht eine Füllung oder eine Behandlung gegen die Empfindlichkeit.

Was tun bei Zahnschmerzen in der Schwangerschaft?

Eine Schwangerschaft steht einer Zahnbehandlung nicht im Weg. Vor allem im zweiten Drittel lassen sich Füllungen, Zahnsteinentfernung und Wurzelbehandlungen sicher durchführen. Besprechen Sie Schmerzmittel und Antibiotika mit Ihrem Zahnarzt, und schieben Sie die Behandlung nicht auf.

Wann muss ich mit Zahnschmerzen sofort zum Zahnarzt?

Schwellung im Gesicht oder am Hals, Fieber, Probleme beim Mundöffnen oder Schlucken, Pochen, das trotz Schmerzmittel nicht nachlässt, ein nach einem Schlag abgebrochener oder ausgeschlagener Zahn sowie eine Blutung, die nicht aufhört, erfordern eine Untersuchung am selben Tag. Bei Atemnot gehen Sie direkt in die Notaufnahme.

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Dieser Beitrag dient nur der allgemeinen Information und ersetzt weder Diagnose noch Behandlung. Wenden Sie sich bei Beschwerden an Ihre Zahnärztin oder Ihren Zahnarzt.

Autor

Panorama Mund- und Zahngesundheit

Informationsbeiträge, erstellt von den Zahnärzten unserer Kliniken in Haliç und Pendik.

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